| Die
christlich-katholische „Seele“ der Ladiner
im Fassatal
Wurzeln der religiösen
Kultur in Landschaft und Bevölkerung
Die Wurzeln der ladinischen
Religion liegen, wie bei einem Großteil der
alpenländischen Bevölkerung, im Christentum,
wie auch anhand der beträchtlichen Anzahl an
Kirchen, Wegekreuzen, Votivkapitellen, Kreuzwegen,
Statuen und Fresken, die über das gesamte Gebiet
verteilt sind, erkennbar ist. Die Gottesdienste
werden von der örtlichen Bevölkerung gut
besucht und die Teilnahme an seelsorgerischen Aktivitäten
ist groß. In den Häusern und insbesondere
in der Stube der Einwohner des Fassatals ist immer
ein Platz für das Kruzifix reserviert, umrahmt
von einem Abbild des Heiligen Herzen Jesu und der
Madonna dell’Aiuto (Mariahilf). Beliebt ist
auch der Feiertag Fronleichnam, der mit Prozessionen
durch die Straßen der Ortschaften und Ausstellung
der antiken Banner feierlich begangen wird, die
von Gläubigen in ladinischer Tracht, Musikkappellen
und Kirchenchören begleitet werden. Auch das
Nikolausfest nimmt eine besondere Stellung ein.
Am Abend des 5. Dezembers klopft der Heilige im
roten Mantel und mit weißem Bart, der zu Wagen
oder zu Pferd unterwegs ist, an die Tür der
Häuser und bringt den Kindern, die das Jahr
über brav waren, Geschenke. Sie müssen
nicht die Teufel (diaui) fürchten, angsteinflößende
Figuren mit schrecklichen Holzmasken und Ketten,
die in rohe Felle gekleidet sind. Weite Verbreitung
haben die Feiertage der Schutzheiligen, anlässlich
derer einst Messen und Viehmärkte abgehalten
wurden. Der wichtigste ist der 16. Februar, Feiertag
der S. Giuliana, Schutzpatronin des Tals. Zu diesem
Anlass begeben sich viele Bewohner des Fassatals
zu Fuß zur Wallfahrtsstätte der Heiligen,
die in einer herrlichen Position oberhalb der Ortschaft
Vigo di Fassa liegt. Ebenfalls sehr verehrt wird
die Madonna von Weißenstein, die von den Taleinwohnern
„Baissiston“ genannt wird. Die ihr geweihte
Wallfahrtsstätte befindet sich in Südtirol,
in Welschnofen, das vom Fassatal aus jenseits des
Karerpasses liegt. Ihre Ursprünge reichen bis
in die Mitte des 16. Jhs. zurück. Sie erhebt
sich in einsamer und beherrschender Lage inmitten
weiter, ebener Wiesen und ist umgeben von ursprünglichen
Wäldern und einigen der schönsten Bergkulissen
in Trentino-Südtirol:
vom Brenta bis zum Ortles, von den Dolomiten bis
zum Weißhorn. Seit ca. 1550 pilgerten die
Einwohner des Fassatals, getragen von tiefem Glauben,
zu Fuß nach Weißenstein, um Dank zu
sagen oder einfach nur zu beten. Die Verehrung der
Madonna von Weißenstein ist bis heute unverändert
stark geblieben. Auch wenn viele alte religiöse
Bräuche nicht mehr praktiziert werden, sind
sie deshalb noch nicht in Vergessenheit geraten.
Im Gegenteil ist in der Bevölkerung im Allgemeinen
und bei den jungen Leuten im Besonderen immer stärker
der Wunsch nach einer Rückkehr zu den Traditionen
und alten Bräuchen zu verspüren, in denen
sich die wahre Seele der Bevölkerung widerspiegelt.
Eine Rückkehr zu den Ursprüngen, auf der
Suche nach jenen Werten, die den Einwohnern des
Tals über die Jahrhunderte über ihre Armut
hinweg geholfen haben.
Große
Bedeutung kommt auch den Kirchen des Fassatal zu,
die echte Kunstwerke und wichtige Zeugnisse der
Vergangenheit darstellen. Die wichtigste ist die
gegen Ende des 15. Jhs. erbaute Kirche S.Giovanni,
historische Pfarrkirche der Talgemeinde und Dekanatssitz.
Die altertümliche Kirche Santa Giuliana, die
der Schutzpatronin des Tals geweiht ist, dominiert
im Nordwesten die Ortschaft von Vigo di Fassa. Erwähnenswert
sind auch die 1164 geweihte Kirche San Vigilio in
Moena, die Kirche San Lorenzo in Pera di Fassa,
die Kirche Madonna della Neve im Ortsteil Gries
in Canazei und die Kirche Santi Rocco e Sebastiano
in Penia. Durch Anklicken von „Info“
können Sie eine vollständige Liste aller
Kirchen im Fassatal aufrufen.
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Die Geschichte des Fassatals |
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